Jonas Wegg ist seit mittlerweile drei Jahren als Dozent bei der Akademie Kraatz tätig und mittlerweile auch als freier Autor und Podcaster aktiv. Er steht nun kurz vor seinem zweiten Staatsexamen und hat erst vor wenigen Jahren als erfolgreicher Absolvent sein erstes Staatsexamen abgelegt. Welche Tipps er heute seinen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern für die Examensvorbereitung gibt, erfahrt ihr hier! 

 

Was kannst du uns grundsätzlich über die Zeit deiner Examensvorbereitung berichten?

Am Anfang stand ich vor einem riesen Berg an Lernstoff, sodass ich mir überlegen musste, wie ich diesen bewältigen will und wie ich an die Sache grundsätzlich herangehe. Auch heute, kurz vor dem zweiten Staatsexamen, stehe ich wieder vor der Herausforderung. Die Lösung dazu lautet: Basics, Basics, Basics. Man hört das sehr oft und auch ich sage das meinen Kursteilnehmern jedes Mal, aber es ist grundlegend wichtig, dass man von vorne Schritt für Schritt beginnt und vom Groben ins Feine lernt, ohne sich direkt auf die komplizierten Streitstände und neue Rechtsprechung zu stürzen! Wenn man merkt, man hat sich tiefes Wissen angeeignet, aber weiß nicht, was man in der Falllösung damit anfangen soll, dann sollte man nochmals einen Schritt zurückgehen und bei den Basics anfangen. Nur so kann man neues Wissen sinnvoll in die Fallbearbeitung einbetten.

 

Wie bist du persönlich beim Lernen vorgegangen? Hattest du eine bestimmte Struktur und was würdest du anderen Examenskandidaten hier empfehlen? 

Oft hört man, dass Klausurenschreiben das A und O und der Schlüssel zum Erfolg ist. Das kann ich grundsätzlich so bestätigen, auch ich habe während meiner Examensvorbereitung Klausuren geschrieben. Bei mir bestand das Lernen aus einer Mischung von abstraktem Lernen, Klausurenschreiben und – ganz wichtig – der Wiederholung. Ich habe mir selbst ganze Skripten geschrieben mit Lerninhalten, die ich wiederholen möchte. So hatte ich sowohl für den materiellen als auch für den prozessualen Teil meine eigenen Unterlagen, mit denen ich lernen konnte. Meinen Lerntag habe ich meistens mit dem Wiederholen begonnen, dazu habe ich mir in einer Excel-Tabelle jeweils notiert, wann ich was wiederholt hatte, um alle Themen rechtzeitig wieder aufzufrischen und keines zu vergessen. Eine stringente Wiederholungsstrategie war für mich der Kernbestandteil meiner Examensvorbereitung. Ich habe dann meist fünf bis sechs Stunden am Tag gelernt und mir klare Lernziele für jeden Tag gesetzt, damit ich am Ende eines Lerntages auch ein gewisses Erfolgsgefühl hatte und mir ruhigem Gewissen Sport machen, Freunde treffen oder arbeiten gehen konnte. Ich bin kein Fan davon, von morgens bis abends in der Bib oder zuhause zu sitzen und zu lernen. Wenn man sich aber fünf bis sechs Stunden wirklich auf das Lernen fokussiert, ist das eine effektive Methode, die für mich die passende war. 

 

Was machen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Examenskursen oft falsch und was rätst du ihnen dann?

Wie schon gesagt, ist es wichtig, dass man sich sein Wissen Stück für Stück aufbaut und bei den absoluten Grundlagen anfängt. Häufig kommt es vor, dass Studentinnen und Studenten die Problemfelder eines Falles zwar erkannt haben, aber das Problem nicht ansprechen konnten, weil sie es nicht in die Lösung einzupflegen wussten bzw. haben sie es im Fallaufbau völlig falsch verortet, sodass letztendlich keine Punkte vergeben werden konnten. Es ist deshalb wichtig, sich die Systematik der Ansprüche klarzumachen und den juristischen Handwerkskoffer bedienen zu können. Wenn ich weiß, wie Anspruchsprüfungen aufgebaut sind und verstehe, wieso ich an welcher Stelle bestimmte Punkte anspreche, kann ich mein Wissen flexibel auf andere Fälle übertragen. Es bringt nichts, sich massenweise Spezialwissen anzueignen und auswendig zu lernen, ohne überhaupt zu wissen, wie es in der Praxis angewandt werden kann. Dahere gilt wie immer: Basics, Basics, Basics. 

 

Kannst du vielleicht abschließend noch einen Tipp geben, den du den angehenden Examenskandidaten mit auf den Weg geben würdest? Zum Beispiel einen typischen Fehler, den du immer wieder siehst und vor dem du im Examen warnen würdest?

Wahrscheinlich ist der typischste Fehler, dass viele denken, sie könnten einen Fall in all seinen Varianten lösen, sobald sie ihn einmal gemacht haben. Das besondere ist aber, dass ein Fall so, wie man ihn gelöst hat, niemals noch einmal drankommen wird. Es werden Feinheiten im Sachverhalt verändert oder der Bearbeitervermerk kann anders gestaltet sein, sodass man nichts gewinnt, wenn man die auswendig gelernten Argumente aus dem gleichen oder einem ähnlichen Fall einfach starr eins zu eins auf den vorliegenden Fall überträgt. Man muss mit Wissen flexibel umgehen können und da sich Fälle grundsätzlich nicht wiederholen, kommt es nicht darauf an, deren Lösungen auswendig zu lernen, sodern die Hauptlernziele des Falls herauszufiltern und diese in der Zukunft sinnvoll zur Anwendung zu bringen. 

Schauen Sie sich hierzu gerne auch unser entsprechendes Youtube-Video mit dem Interview in voller Länge an: 


Ihr Team der Akademie Kraatz
 

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