Neuroenhancement (Hirndoping) im Jura Studium und Referendariat
19.01.2024 | von Dr. Robert König

Was ist Neuroenhancement (Gehirndoping)?

Viele nutzen es, kaum einer spricht darüber. Unter Neuro-Enhancement (bzw. Neuroenhancement) versteht man den Einsatz sämtlicher medizinischer Maßnahmen, um die geistige Leistungsfähigkeit gesunder Personen zu steigern. Die Vorstellung ist verlockend: einfach wie Bradley Cooper im Film „Ohne Limit“ eine Wunderpille einnehmen und 15 Punkte in der nächsten Jura Klausur schreiben.

Arten von kognitivem Doping

Neuro-Enhancement im Studium umfasst den Einsatz von Substanzen oder Technologien zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten (Wachheit, Konzentrationsfähigkeit oder Merkfähigkeit) und Leistungsfähigkeit. Das schließt eine therapeutische oder präventive Absicht im Sinne einer medizinischen Indikation aus.

1. Verschreibungspflichtige Substanzen („smart pills“)

Solche Substanzen können etwa verschreibungspflichtige Medikamente wie Methylphenidat (Ritalin) oder Modafinil umfassen, die zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. Schlafstörungen verschrieben werden. Daneben werden auch manchen Antidementiva oder Antidepressiva ein positiver Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit zugeschrieben.
Der Missbrauch oder die nicht ordnungsgemäße Verwendung solcher Substanzen kann rechtliche Konsequenzen haben, einschließlich strafrechtlicher Verfolgung und disziplinarischer Maßnahmen durch Bildungseinrichtungen. So unterliegen Methylphenidat (Ritalin) sowie ähnliche Amphetaminderivate als verkehrs- und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel der Anlage III zum BtMG.
Universitäten und Hochschulen haben außerdem oft Richtlinien und Verhaltenskodexe, die den Missbrauch von Substanzen zur Leistungssteigerung verbieten.
Unabhängig davon, dass diese oftmals illegal erworben werden, haben verschreibungspflichtige Medikamente häufig erhebliche Nebenwirkungen und auch ein erhebliches Suchtpotential. Im Grunde gilt dasselbe wie für Drogen: lass die Finger davon! Der Konsum lohnt sich nicht.

2. Pflanzliche Wirkstoffe für mehr Leistungsfähigkeit

Pflanzliche Neuroenhancement-Methoden beziehen sich auf den Einsatz von natürlichen Substanzen oder pflanzlichen Produkten zur Verbesserung der kognitiven Funktionen („smart pills“) und des geistigen Wohlbefindens („happy pills“). Im Gegensatz zu verschreibungspflichtigen Medikamenten oder synthetischen Substanzen sollen pflanzliche Neuroenhancer auf natürliche Weise die kognitiven Fähigkeiten unterstützen, ohne die gleichen potenziell gefährlichen Nebenwirkungen oder rechtlichen Einschränkungen mit sich zu bringen.
Es gibt verschiedene pflanzliche Substanzen, denen nachgesagt wird, die geistige Leistung zu steigern. Einige häufig genutzte Beispiele sind:
  • Ginkgo biloba
Dieses Kraut wird oft zur Verbesserung der kognitiven Funktionen und des Gedächtnisses eingesetzt.
  • Bacopa monnieri (kleines Feenplatt)
Eine Pflanze, die traditionell in der ayurvedischen Medizin verwendet wird und möglicherweise die geistige Leistungsfähigkeit und das Gedächtnis verbessert. Fun fact: Die Aquarianer unter Euch kennen die Pflanze auch unter dem Namen kleines Feenblatt.
  • Rhodiola rosea (Rosenwurz)
Eine Pflanze, die in Sibirien auch unter dem Namen „Goldene Wurzel“ bekannt ist. Sie dazu beitragen, Aufnahmevermögen, Konzentrationsfähigkeit und Erinnerungsvermögen zu steigern.
  • Grüner Tee
Er enthält sowohl Koffein als auch L-Theanin, die synergistisch wirken können, um die geistige Wachsamkeit und Konzentration zu fördern. Der Ferrari unter den grünen Tees, der nebenbei eine sehr gesundheitsfördernde Wirkung besitzt, ist dabei der Matcha. Die traditionelle Zubereitung eines Matcha in einem japanischen Schälchen mit Holzbesen und -löffel hat außerdem (jedenfalls in meinen Augen) eine entspannende und meditative Wirkung.
  • Kurkuma
Diese gelbe Gewürzpflanze enthält Curcumin, das antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften hat und mit der Verbesserung der kognitiven Funktionen in Verbindung gebracht wird.
  • Kaffee
Last but noch liebst der Juristen liebstes Getränk: der Kaffee. Er enthält Koffein, welches die Wachsamkeit und Konzentrationsfähigkeit fördert. Ohne Kaffee würde das gesamte Land stillstehen. Allerdings solltet Ihr es mit dem Kaffee nicht übertreiben, da das Koffein sonst zu Herzrasen führen kann. Wer durch zu viel Kaffee hibbelig wird, sollte am Nachmittag auf grünen Tee oder Matcha umsteigen.

Fazit zum pflanzlichen Neuro-Enhancement

Es ist wichtig anzumerken, dass die Wirkung pflanzlicher Wirkstoffe je nach Person variieren kann und ihre Wirksamkeit wissenschaftlich bisher nicht in vollem Umfang nachgewiesen ist. Es ist ratsam, vor der Einnahme solcher pflanzlichen Präparate einen Arzt zu konsultieren. Wahllos diverse „Wunderpflanzen“ einzunehmen, kann auch die Gesundheit schädigen.

Die bessere Alternative: gesunde Ernährung und Sport

Der beste und bewährteste „Neuroenhancer“ ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Sport. Achte dabei auf viele ungesättigte Fettsäuren (insbesondere Omega 3) und Lebensmittel, die viel Vitamin B 12 enthalten. Beide Substanzen sind nicht nur gesund, sondern fördern aktiv die Gehirnleistung. Omega-3-Fettsäuren sind in v.a. in pflanzlichen Ölen (Olivenöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Leinöl usw.) enthalten oder in fettigem Fisch (Lachs, Hering usw.). Auch kann man Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel in jeder Drogerie bekommen. Gleiches gilt für Präparate mit Vitamin B12.
Letzteres ist hauptsächlich in tierischen Produkten enthalten. Wer lieber auf Fleisch verzichten möchte, kann auf Eier und Milchprodukte (Milch, Käse, Quark) zurückgreifen. Bei einer rein veganen Ernährung ist es schwieriger, den Körper mit ausreichend Vitamin B12 zu versorgen. Zwar weisen manche Arten von Meeresalgen eine hohe Konzentration Vitamin B12 auf, jedoch in einer für den Menschen schlecht bzw. gar nicht verwertbaren Form. Im Fall einer veganen Ernährung sollte man daher auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen.
Auch Sport und Bewegung tragen zu einer guten geistigen Leistung bei. Die antike römische Redewendung „mens sana in corpore sano“ („ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“) gilt nach wie vor. Jeder Gang macht nicht nur schlank, sondern ebenso geistig fit. Bewegt Euch zwischendurch so viel es geht. Dazu bieten sich zwischen den Lernphasen aktive Pausen an.

Fazit zum Neuroenhancement in Jura

Alles in allem sollten auch pflanzliche Neuroenhancer nicht als Ersatz für einen gesunden Lebensstil betrachtet werden. Ausreichender Schlaf, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und effektives Stressmanagement sind nach wie vor am wichtigsten für eine optimale Gehirnfunktion und kognitive Leistungsfähigkeit.
Auch heutzutage gibt es nicht das Wundermittel, mit dem man das Prädikat einfach so erreicht. Das beste Neuro Enhancement ist immer noch eine optimale Prüfungsvorbereitung. Und dabei helfen wir Dir gerne. Die Dozenten der Akademie Kraatz und der Assessor Akademie sind für Dich vom 1. Semester bis zum 2. Staatsexamen an Deiner Seite, um Deine juristischen Leistungen zu verbessern. Unserer effektiver Einzel- und Kleingruppenunterricht ist bewährt und besser als jede vermeintliche „Wunderpille“. Und das Beste: die einzigen bekannten Nebenwirkungen sind bessere Jura Noten.
 
Dr. Robert König


 

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