Heute soll es um die Examens- und Lernerfahrungen unseres Dozenten Alexander Crames während des Repetitoriums gehen. Denn diese haben ihn letztlich zu einem Prädikatsexamen gebracht! Dabei geben wir Ihnen keine festen Regeln

Wir geben hierbei keine festen Regeln vor, vielmehr stellen wir die individuelle Vorgehensweise unseres Interviewpartners vor, anhand derer Sie sich bestenfalls orientieren und vielleicht einige Hinweise sinnvoll für Ihr eigenes Lernen verwerten können.

 

Was war aus deiner Sicht das wichtigste bei der Examensvorbereitung?

Am wichtigsten ist aus meiner Sicht, dass man die Grundsätze gelernt hat. Man kennt die Fälle nicht, die man im Examen bekommt. Man wird überrascht und muss ad hoc in der Lage sein, innerhalb von nur fünf Stunden einen fremden Fall zu lösen. Das schafft man nur dann, wenn man die Methodenlehre beherrscht und die Grundsätze verstanden hat. Besonders muss man lernen, an den entscheidenden Stellen gut zu argumentieren und die Auslegungsmethoden heranzuziehen, das Ergebnis ist dann meist zweitrangig.

 

Wie lange hast du dich auf dein Examen vorbereitet?

Insgesamt habe ich mich 1 ½ Jahre auf mein Examen vorbereitet, im ersten Jahr habe ich mir viel Wissen angeeignet und mit selbst Skripten geschrieben. In den letzten 6 Monaten habe ich dann vor allem Klausuren geschrieben zur Vorbereitung auf die anstehende Kampagne. Dabei kam ich am Ende auf ca. 80-100 Klausuren.

 

Wie bist du mit den korrigierten Klausuren umgegangen?

Von den korrigierten Klausuren habe ich mir immer noch mal die Dinge rausgeschrieben, die ich noch nicht ganz verstanden hatte. Diese hatte ich dann noch mal genauer im Skript oder einem Kommentar nachgelesen, damit ich verstehe, was ich falsch gemacht habe. Aus seinen eigenen Fehlern lernt man aber immer am besten, daher sollte man sich auf jeden Fall mit der Korrektur befassen. Ich hatte außerdem eine Lerngruppe zu dritt, mit der ich regelmäßig Samstag morgens eine Klausur durchgegangen bin.

 

Welche Literaturempfehlung würdest du den Examenskandidatinnen und -kandidaten geben?

Ich persönlich habe mich hauptsächlich mit Studienkommentaren, aus denen ich mir in mit viel Aufwand eigene Skripten entwickelt habe, gelernt. Im Zivilrecht brauchte ich dazu zum Beispiel den Studienkommentar BGB. Der geht auf alle zivilrechtlichen Probleme ein, die eine gewisse Relevanz haben. Dort sind die Themen auch kurz und knapp dargestellt, sodass man sie gut versteht. Wenn man dennoch in die Tiefe gehen will, kann man zusätzlich auch noch den Palandt zur Hand nehmen. Im Wesentlichen enthält aber schon der Studienkommentar alle Klausurprobleme und Streite, die es auf dem Gebiet des Zivilrechts so gibt.
Für die anderen Rechtsgebiete gibt es ebenfalls solche Studienkommentare.

 

Was ist der Vorteil davon, sich eigene Skripten zu schreiben?

Bei der Arbeit mit dem Studienkommentar habe ich mit dessen Inhalte stellenweise herausgeschrieben und ihn somit für mich noch einmal aufgearbeitet. Mit dieser eigenen Sammlung an Lernmaterialien konnte ich später gut lernen. Dadurch habe ich auch nicht nur passiv gelesen, sondern aktiv mit dem Text gearbeitet und einzelne Passagen zusammengefasst. Man kann sich auch im Vorhinein Fragen an den Text stellen, die man sich dann nach dem Lesen beantworten können sollte. Auch so vermeidet man reines Passivlesen.

 

Gibt es Nachteile bei der Erstellung von eigenen Lernmaterialien?

Der Nachteil ist, dass das Ganze sehr lange dauert und sehr intensiv ist, was die Arbeitslast angeht.



Wie lange hast du täglich und wöchentlich gelernt?

Ich hatte meist eine Sechs-Tage-Woche, aber habe mir auch immer mal wieder in regelmäßigen Abständen eine Woche freigenommen, um zu entspannen. Von Montag bis Samstags hatte ich normalerweise sechs Stunden reine Lernzeit, dazu kamen Pausen, Mittagessen etc.
Allerdings hatte ich mir im Voraus das gesamte jahr komplett durchgeplant, sodass ich, wenn ich mit einer Aufgabe mal früher fertig war, auch entsprechend früher Schluss machen und mich belohnen konnte. Das hat mich zusätzlich motiviert, weil ich immer kleine Tagesziele erreicht hatte. Das geht aber nur, wenn man vorher weiß, was man wann macht.

 

Hast du einen abschließenden Tipp, den du den Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Als Tipp würde ich mitgeben, sich vor dem Examen nicht allzu verrückt zu machen. Man muss nur lernen, die richtigen Ansätze zu finden. Das tut man, indem man die Grundlagen versteht, gängige Auslegungsmethoden anwenden kann und Analogien beherrscht. Wenn man das kann, ist eigentlich jede Klausur lösbar.


Sehen Sie sich hierzu gerne auch unser entsprechendes YouTube-Video an:


Ihr Team der Akademie Kraatz