Frau Franziska Herrmann ist Dozentin bei der Akademie Kraatz und zur Zeit außerdem als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Potsdam tätig, wo Sie ihre Doktorarbeit schreibt. Da ihre eigene Examensvorbereitung erfolgreich verlaufen ist, sucht sie nun die Herausforderung als Dozentin für Examenskandidatinnen und -kandidaten und gibt dort ihr Wissen und ihre persönlichen Tipps an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter. Dabei ist ihr vor allem aufgefallen, dass viele der Probleme, die Examenskandidatinnen und -kandidaten haben, im Endeffekt gar nicht so einzigartig sind, wie man selbst in dem Moment, wo man sie kommuniziert, immer denkt. Jeder und jede hat in dieser Zeit mit den selben Herausforderungen zu kämpfen und so ist es häufig so, dass die Schwierigkeiten, die man selbst hat, auch von anderen als solche empfunden werden. Daher ist es wichtig und hilfreich, diese zu kommunizieren.

Wir haben Frau Herrmann einige Fragen zu ihrer Examensvorbereitung gestellt:

 

Wie sah deine Examensvorbereitung aus und wie hast du dein Repetitorium organisiert? 

Ich habe ein privates Repetitorium besucht und zudem mit zwei weiteren Mädels eine Lerngruppe gebildet. Innerhalb unserer Gruppe haben wir sehr strukturiert gearbeitet, wir hatten schon zu Beginn des Jahres einen Lernplan dafür, wann wir was lernen würden. Dadurch habe ich aus der Lerngruppe, aus dem gegenseitigen Erklären, dem voneinander Lernen und miteinander Sprechen wohl am meisten mitgenommen. Auch unsere einzelnen Einheiten waren sehr strukturiert: Wir haben jede Einheit in drei Teile aufgeteilt: Eine Person hat Vertiefungsfragen besprochen, eine andere hat Rechtsprechung vorgestellt und die dritte Person hat dann ein entsprechendes Fallbeispiel vorbereitet. Das hatte für uns einen großen Lerneffekt. 

 

Hast du in deiner Examensvorbereitung Jura Übungsklausuren geschrieben? 

Neben der Lerngruppe war in meiner Examensvorbereitung das Klausurenschreiben essentiell. Ich habe 55 Klausuren zur Vorbereitung geschrieben. Für mich was das Runterschreiben der Inhalte in Form von Klausurlösungen ein wichtiger Bestandteil des Lernens, da ich damit Probleme hatte. Oft hatte ich viele wirre Gedanken, die ich lernen musste, innerhalb einer bestimmten Zeitspanne in ein strukturiertes Gutachten zu fassen. Dafür war das Klausurentraining unabdingbar. 

 

Hattest du eine Wiederholungsstrategie in deiner Examensvorbereitung?

Wie bereits erwähnt haben wir innerhalb unserer Lerngruppe eine konsequente Struktur über ein gesamtes Jahr hinweg verfolgt. Es kommt darauf auch maßgeblich an, denn es ist schade zu sehen, dass Teilnehmerinnen oder Teilnehmer etwas zwar einmal sehr gut verstanden haben, dann aber nie wieder wiederholt haben und das Wissen deshalb verloren gegangen ist. Bei der Stoffmenge ist es wichtig, in Form von regelmäßigem Klausurenschreiben, mit Karteikarten oder eben in der Lerngruppe regelmäßig den Stoff zu wiederholen. Das fällt umso leichter, wenn man nach Plan arbeitet und vor einer Arbeitswoche schon weiß, was man an jedem einzelnen Tag machen wird. So sollte man beispielsweise in einem drei- bis vierwöchtigen Rhtythmus Wiederholungen für jedes Fachgebiet einplanen, in denen man das nochmal auffrischt, was man in den Wochen gelernt hat. Die Wiederholungsphasen werden auch mit wachsender Stoffmenge nach einer Zeit immer länger und sollten dennoch eingehalten werden, denn langfristig gedacht spart man damit Zeit. Es würde viel länger dauern, wenn man erst am Ende für jedes Rechtsgebiet eine wochenlage Wiederholung einplant, denn der weit zurückliegende Stoff müsste sich dann erst mühselig wieder erarbeitet werden. 

 

Hättest du ansonsten noch Tipps, die du den Examenskandidatinnen und -kandidaten mitgeben möchtest?

Mein letzter Tipp wäre ein persönlicher: Die Examensvorbereitung ist für alle eine anstrengende Phase, deswegen sollte man gut auf sich selbst achtgeben. Das tut man, in dem man sich auch mal Erholung gönnt und diese genau so plant wie die Arbeitsphasen. Man sollte stets versuchen, eine gute Balance herzustellen und Bewegung, Ernährung und Schlaf neben dem Lernen in einen guten Ausgleich zu bringen. Nur wenn man sich fit fühlt und ausgeschlafen ist, kann man erfolgreich lernen.
Eine weitere Sache, die damit eng zusammenhängt, ist das Lernumfeld. Es ist wichtig, sich ein Lernumfeld zu schaffen, in dem man sich wohlfühlt, dass man auch Ansprechpartner in seiner Lerngruppe hat, mit denen man über Probleme sprechen kann oder Freunde und Familie, es müssen gar nicht immer Leute aus dem Fachgebiet sein, mit denen man sich austauscht. 

Sehen Sie sich hierzu gerne auch unser entsprechendes Youtube-Video an: 


Ihr Team der Akademie Kraatz

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