In unserem heutigen Beitrag sprechen wir über typische Fehler, die Sie in der Vorbereitung auf Ihren letzten Versuch des ersten juristischen Staatsexamens vermeiden sollten. Das Thema rund um den Letztversuch im Staatsexamen ist besonders brisant, da der Druck, der auf Ihnen lastet, wenn Sie gerade vielleicht  selbst vor einem solchen stehen, enorm hoch ist. Hier stellen wir Ihnen einige typische Problemfelder in Bezug auf die Examensvorbereitung und deren Ursachen vor, die Sie nun unbedingt vermeiden bzw. frühzeitig bekämpfen sollten.

 

1. Persönliche Probleme

Die Gründe für ein Durchfallen können sehr vielseitig sein. Das juristische Staatsexamen verlangt von Ihnen Ihre persönliche Höchstleistung ab, deswegen sind Sie von jeglichen Lebensereignissen, die sich im Zeitraum um und vor Ihrem Examen ereignen, besonders empfindlich beeinträchtigt. So können Sie zum Beispiel durch einen Trauerfall in der Familie längerfristig am Lernen gehindert sein, und es könnte Ihnen schwerfallen, sich auf den Stoff zu konzentrieren und ihren gedanklichen Fokus beim Lernen zu behalten. Genau so beeinträchtigend sind eigene Krankheitsphasen, durch die Sie längere Zeit aussetzen müssen und die auch stressbedingt auf Ihnen lasten können, aber auch eine Trennung vom Partner sowie viele weitere erdenkliche Ereignisse aus der persönlichen Sphäre, die Sie letztlich daran hindern, motiviert und konzentriert weiterzulernen bzw. die es Ihnen erschweren, hinterher wieder in den Lernrhythmus hineinzufinden.

 

2. Falsche Lernstrategie

Bezüglich Ihrer individuellen Lernstrategie kommen verschiedene falsche Ansätze in Betracht. So könnte es sein, dass Sie nicht immer ausdauernd genug gelernt haben. Zeitmanagement ist eine wichtige Komponente im juristischen Studium und so auch besonders in der Examensvorbereitungsphase. Wir haben hierzu einen eigenen Blogbeitrag verfasst, auf den wir Sie an dieser Stelle gerne hinweisen: Zeitmanagement im Jurastudium.
Andererseits könnte es sein, dass Sie zu viele verschiedene Lernmethoden miteinander vermischt haben, dass Sie also mal Lernvideos geschaut haben, mal ein Repetitorium besucht haben, dann wiederum Lehrbücher gelesen und Skripten durchgearbeitet und schließlich doch mit Karteikarten gelernt haben. Man braucht von Beginn der Examensvorbereitung an einen festen Lernplan mit einer festen Struktur, den es bestmöglich einzuhalten gilt. Sie sollten schon früh für sich herausfinden und festlegen, womit Sie lernen wollen und in welchem Rahmen Sie sich auf Ihr Staatsexamen vorbereiten. Wie eine erfolgreiche Examensvorbereitung aussehen kann, haben wir mit unseren ehemaligen Teilnehmern und erfolgreichen Examensabsolventen Hendrik Heinze und Thomas Bonerath an anderer Stelle besprochen; die dazugehörigen Blogbeiträge finden ebenfalls hier Sie auf unserer Homepage unter Interview mit einem erfolgreichen Examensabsolventen und Interview zum Thema Examensvorbereitung.

 

3. Psychologischer Druck

Das (mindestens) eine Jahr der Examensvorbereitung ist für alle Studentinnen und Studenten ziemlich stressig und für viele auch in psychologischer Hinsicht eine Herausforderung. Der Umfang des Stoffes ist erschlagend, die Angst ist groß und die Stimmung bei allen angespannt. Im schlimmsten Fall sitzen Kandidatinnen und Kandidaten im Examen selber und sind so nervös, dass sie während der Prüfung ein Blackout bekommen. Von unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern hören wir schon früh in der Vorbereitung, dass sie sich nicht konzentrieren können, nachts vor Angst nicht schlafen können und jetzt schon den Examenstermin, der noch ein Jahr im Voraus liegt, fürchten. Psychologischer Druck und Angst können sich sehr hemmend auf Ihr Lernen und Ihr gesamtes Tun auswirken. Sie sollten deshalb auch auf Ihre mentale Gesundheit acht geben und stets genügend Pausen und Erholungsphasen einbauen, sich mit anderen, die in derselben Situation sind, austauschen und so neue Kraft schöpfen. Versuchen Sie auch, unter den bestmöglichen Bedingungen zu lernen. Dafür finden Sie an anderer Stelle auf unserer Homepage hilfreiche Hinweise, die in Ihrer Situation förderlich sein könnten (Die perfekten Rahmenbedingungen zum Lernen). Schauen Sie sich, falls Sie nahe vor Ihrem Examenstermin stehen, auch unsere Tipps für die Tagesgestaltung in den letzten drei Tagen vor dem Examen an (Die letzten drei Tage vor dem Jura Staatsexamen). Diese psychologischen Aspekte sind keineswegs zu unterschätzen und in der Gewichtung wahrscheinlich ebenso bedeutsam wie die Einhaltung einer individuellen konsequenten Lernstrategie.

 

4. Lernen auf Lücke

Examenskandidatinnen und -kandidaten tauschen sich gerne mit Examensabsolventinnen und -absolventen darüber aus, was im Staatsexamen drankam, drankommen könnte und wahrscheinlich eher nicht drankommen wird. Dadurch entstehen fatale Irrtümer. Sie sollten in Ihrer Vorbereitung den gesamten Examensstoff abdecken und nicht einzelne Randgebiete auslassen, denn diese könnten hinterher Gegenstand Ihrer Klausur werden. Behalten Sie im Hinterkopf, dass das juristische Prüfungsamt in der Ausgestaltung der Prüfungen relativ frei ist, sich nur im Rahmen der jeweiligen Prüfungsordnung bewegen muss, aber sich jedenfalls nicht an dem orientiert, was in vergangenen Jahren auch schon Gegenstand von Klausuren war. Glauben Sie deshalb nicht daran, dass sie Sie einige Bereiche gar nicht lernen bräuchten, nur weil diese noch nie Gegenstand von Prüfungsklausuren waren.

 

5. Fehlende Klausurenpraxis

Ein gewichtiger und ebenfalls typischer Fehler ist, dass Studentinnen und Studenten in ihrer Examensvorbereitung nicht genügend Klausuren schreiben. Es wird zu oft zu viel Theorie auswendig gelernt, es werden Bücher und Skripten ausgiebig gelesen. Dabei kommt jedoch die Wissensanwendung häufig zu kurz. Mit Theoriewissen allein können Sie in der Klausur nichts gewinnen. Sie müssen in der Lage sein, innerhalb der Kürze der Zeit das antrainierte Wissen auch in eine Falllösung umzuwandeln. Das lernen Sie aber nicht durch stures Lesen, sondern nur durch Klausurenschreiben. Dabei ist auch anzumerken, dass sich korrigierte Übungsklausuren in jedem Fall noch einmal angeschaut und auf jeweilige Fehler überprüft werden sollten. Nur wenn Sie sich mit den Anmerkungen Ihres Korrektors oder Ihrer Korrektorin auseinandersetzen und diese aufarbeiten, lernen Sie auch wirklich aus den Fehlern. Sie werden Ihnen dann nicht noch einmal in einer Klausur passieren.

 

6. Enormer Stoffumfang

Ein weiterer Punkt ist die sehr umfangreiche Stoffmasse und die zahlreichen Themenbereiche und Spezialprobleme, die die Jurastudentinnen und -studenten bis zum Ende Ihrer Examensvorbereitung bedienen können müssen. Dazu sollten Sie von Anfang an eine strikte Wiederholungsstrategie verfolgen, denn sonst ist es Ihnen unmöglich, den gesamten Stoff bis zum Examenstermin abrufbereit im Gedächtnis zu behalten.

 

7. Zu wenig Zeit eingeplant

Manchmal planen Examenskandidatinnen und -kandidaten auch zu wenig Zeit für die Vorbereitung auf Ihr Staatsexamen ein. Manche lernen nur drei oder vier Monate für das Staatsexamen, obwohl Sie mehr Übung und mehr Praxistraining benötigt hätten. Das ist schlichtweg nicht genug Zeit, um sich umfassend und ausreichend gründlich auf die anspruchsvolle Prüfungsreihe des Jura Staatsexamens vorzubereiten.

 

8. Zu viel Ablenkung

Letztlich kann es auch sein, dass Sie sich zu viel haben ablenken lassen. Zwar wird es vielen Examenskandidatinnen und -kandidaten in der Vorbereitungszeit so gehen, dass sie Motivationstiefs erfahren und weniger produktiv sind. Es kommt dann aber darauf an, die nötige Disziplin aufzubringen, sich wieder aufzuraffen und weiterzulernen, vor allem nach Rückschlägen nicht aufzugeben, sondern sich immer wieder neu zu motivieren. Das kann schwierig sein und benötigt viel Energie, aber Sie sind nicht alleine in der Situation und haben bestenfalls sogar eine Lerngruppe gebildet, mit der sie sich regelmäßig austauschen und aus der sie für sich neue Motivation nehmen können. Warum Lerngruppen in der Vorbereitung auf das juristische Staatsexamen auch sonst nützlich sind, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag Lernen in Lerngruppen.

Sehen Sie sich gerne auch unser entsprechendes YouTube-Video an:


Ihr Team der Akademie Kraatz